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Pressemitteilung
Nichtregierungsorganisationen sammelten über 50.000 Unterschriften in drei Tagen / Übergabe an Bundestagsabgeordnete / „Wir wollen wissen, wer bezahlt“
Berlin, 12.5.2011. Kurz bevor sich die Rechtstellungskommission des Ältestenrates mit der Neuregelung von Abgeordneten-Nebentätigkeiten befasste, demonstrierten mehrere Nichtregierungsorganisationen vor dem Bundestag gegen die Verschleierung der Nebeneinkünfte. Gestalten mit weißen Masken reichten Politiker-Darstellern Geldscheine. Der Vorsitzende der Rechtstellungskommission und Bundestagsvizepräsident Dr. Hermann Otto Solms (FDP), der SPD-Abgeordnete Michael Hartmann sowie die Parlamentarischen Geschäftsführer Dr. Dagmar Enkelmann (Linke) und Volker Beck (Grüne) waren gekommen, um die Protest-Unterschriften entgegen zu nehmen.
Innerhalb von drei Tagen hatten Campact, LobbyControl, Transparency International Deutschland und Mehr Demokratie über 50.000 Unterschriften im Internet gegen die Pläne gesammelt, die Nebeneinkünfte von Politikern künftig erst ab 10.000 Euro zu veröffentlichen (www.wer-bezahlt.de). Bisher mussten Bundestagsabgeordnete ihre Nebeneinkünfte bereits ab einer Höhe von 1.000 Euro veröffentlichen. Angesichts der Proteste haben verschiedene Politiker in den letzten Tagen erklärt, davon abrücken zu wollen, Politiker-Nebeneinkünfte unter 10.000 Euro zu verschleiern.
„Dass die Parteien nun zurückrudern, zeigt, dass die Bürgerproteste wirken“, sagte der Vorstandsmitglied des Kampagnennetzwerkes Campact, Dr. Günter Metzges. „Die Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, wer ihre gewählten Volksvertreter bezahlt.“
„Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in ihre Volksvertreter sinkt immer weiter. Transparenz ausbauen statt abbauen - das ist notwendig, um das Vertrauen in Politiker wieder zu stärken“, sagte Michael Efler, Vorstandssprecher von Mehr Demokratie e.V.
„Nebeneinkünfte von Abgeordneten dürfen kein unsichtbares Einfallstor für Lobbyismus sein. Über 50.000 Unterschriften in drei Tagen zeigen, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht wollen, dass ihre Vertreter im Parlament unbemerkte Diener zweier Herren sein können. Echte Transparenz ist dafür unverzichtbar", erklärte Timo Lange von LobbyControl.
"Für Vorschusslorbeeren ist es zu früh. Erst wenn wir die neue Regelung schwarz auf weiß sehen, werden wir beurteilen können, ob den jüngsten Worten die richtigen Taten folgen", sagte Jochen Bäumel, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland.
Pressekontakt:
Jochen Bäumel, Transparency International Deutschland e.V., Tel.: 030 54 98 98 0
Nina Katzemich, LobbyControl e.V., Tel.: 0179 50 930 22
Dr. Günter Metzges, Vorstand, Campact e.V., Tel.: 0172 24 26 478
Lynn Gogolin, Mehr Demokratie e.V., Tel.: 0178 81 630 17
Verden, 09.05.2011
Nichtregierungsorganisationen kritisieren geplante Neuregelung der Nebeneinkünfte von Abgeordneten als intransparent und starten gemeinsame Protestaktion
Die Nichtregierungsorganisationen Campact, LobbyControl, Transparency International Deutschland und Mehr Demokratie haben heute gemeinsam die Aktion „Wir wollen wissen, wer bezahlt“ gestartet. Bürgerinnen und Bürger sind dazu aufgerufen, bis Donnerstag (12. Mai) gegen eine geplante Neuregelung des Bundestags zu protestieren. Danach müssen Abgeordnete einzelne Nebenverdienste unter 10.000 Euro nicht mehr offen legen, auch wenn sie zusammengezählt hohe Summen ergeben. Am Donnerstag soll der Geschäftsordnungsausschuss des Bundestages über die Regelung beraten.
Die vier Organisationen fordern die Abgeordneten auf, Nebeneinkünfte anders als geplant weiterhin ab einer Untergrenze von 1.000 Euro für die Öffentlichkeit transparent zu machen. Unter www.wer-bezahlt.de kann ein entsprechender Appell an die Mitglieder des Geschäftsordnungsausschusses unterschrieben werden.
Erfuhr die Öffentlichkeit bisher nichts darüber, was Abgeordnete oberhalb von 7.000 Euro verdienen, sollen sie zukünftig in sieben Stufen bis 150.000 Euro jährlich Angaben über ihre Nebeneinkünfte machen. Zugleich müssen einzelne Einkünfte unter 10.000 Euro nicht mehr angegeben werden, auch wenn sich in der Summe daraus hohe Nebenverdienste ergeben.
Auf der gemeinsamen Pressekonferenz am Montag erklärten
Jochen Bäumel von Transparency International Deutschland:
„Die geplante Neuregelung, die der Ältestenrat des Bundestags im April vorgeschlagen hat, würde zwar mehr Transparenz für Einzelzahlungen über 10.000 Euro und hohe regelmäßige Nebeneinkünfte schaffen. Diesem begrüßenswerten Erkenntnisgewinn steht jedoch die gravierende Verschleierung der Einkünfte aus Einzeleinnahmen unter 10.000 Euro gegenüber. Viele der Angaben, die Abgeordnete heute veröffentlichen müssen, blieben nach der neuen Regelung im Dunkeln. Man könnte fast denken, hier soll der Öffentlichkeit hinsichtlich bestimmter Einkünfte Sand in die Augen gestreut werden.“
Nina Katzemich von LobbyControl:
„Die neue Regelung ist eine Mogelpackung. Danach können Abgeordnete im Jahr diverse Vorträge oder Beratungsaufträge verschiedener Unternehmen für jeweils 9.999 Euro annehmen, ohne diese offen zu legen. Die Einkünfte unter der 'Bagatellgrenze' können sich so zu stolzen Summen aufaddieren, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfährt. Besonders brisant wird das, wenn die Aufträge von verschiedenen Unternehmen, aber aus der gleichen Branche kommen. Gut bezahlte Vorträge oder Beratungsaufträge sind heute schon ein beliebtes Lobbyinstrument. Die Transparenzlücke unter 10.000 Euro macht dieses Instrument noch attraktiver. Sie erleichtert Abgeordneten, einen engen Kontakt zu einer bestimmten Branche zu verschleiern.“
Günter Metzges von Campact:
„Die geplante Verschleierung von Politiker-Nebeneinkünften schadet der Demokratie. Sie stört das notwendige Vertrauensverhältnis zwischen Politik und Bürger. Die Menschen wollen wissen, ob durch Nebenjobs Interessenskonflikte und politische Einflussnahme von Lobbygruppen drohen. Wir werden in den nächsten Tagen zehntausende Menschen mobilisieren, die echte Transparenz von ihren Abgeordneten fordern. Vor der Ausschusssitzung am Donnerstag werden wir mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion deutlich machen, dass wir den Abgeordneten sehr genau auf die Finger schauen. Wir wollen wissen, wer bezahlt und keine Augenwischerei.“
Michael Efler von Mehr Demokratie:
„Die Bürgerinnen und Bürger haben Anspruch darauf zu wissen, von wem und in welcher Größenordnung ihre Vertreter und Vertreterinnen Geld oder geldwerte Leistungen entgegennehmen. Dies hat auch das Bundesverfassungsgericht in seinem Grundsatzurteil zu den Nebeneinkünften 2007 bestätigt. Nur durch umfassende Transparenz können Wählerinnen und Wähler Interessenkonflikte und Abhängigkeiten erkennen und ihre Wahl danach ausrichten. Zu einer solchen Transparenz gehört auch, dass es keine Deckelung der Transparenzpflicht nach oben geben darf“.
Für Rückfragen stehen Ihnen die VertreterInnen der Organisationen gerne zur Verfügung: Jochen Bäumel, Vorstandsmitglied Transparency International Deutschland e.V. Tel.: 030 / 54 98 98 0
Nina Katzemich LobbyControl e.V. Tel.: 0179 / 50 930 22
Dr. Günter Metzges, Geschäftsführender Vorstand Campact e.V. Tel: 0172 / 24 26 478
Dr. Michael Efler, Vorstandssprecher Mehr Demokratie e.V. Tel.: 030 / 420 823 70
Ihr Ansprechpartner:
Dr. Günter Metzges, Campact:
metzges@campact.de, t 0172 / 24 26 478